Zunehmende Bedrohungen
EU-Bürger sollen sich mit Notration auf Kriegsfall vorbereiten
- Aktualisiert: 28.03.2025
- 09:38 Uhr
- Joachim Vonderthann
Ob Bedrohungen durch Russland oder Naturkatastrophen: Die EU-Kommission will die Menschen in den Mitgliedsländern für den Ernstfall fit machen.
In Finnland können Bürger:innen in einem Online-Test herausfinden, ob sie ausreichend auf einen möglichen Krisenfall vorbereitet sind. "Könnten Sie 72 Stunden überleben?", lautet eine Frage. Eine Frage, die jetzt allen EU-Bürger:innen gestellt wird.
In einer Zeit wachsender Unsicherheiten hat die EU-Kommission unter der Leitung von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen strategischen Aktionsplan veröffentlicht, der die Widerstandsfähigkeit der EU gegen diverse Bedrohungen stärken soll. "Neue Realitäten erfordern ein neues Maß an Bereitschaft in Europa", erklärte von der Leyen bei der Präsentation des Plans.
EU will Abwehrbereitschaft stärken
Neben Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Waldbränden rückt auch geopolitische Spannungen wie die zunehmende Bedrohung durch Russland, Cyberangriffe sowie ausländische Desinformations-Kampagnen in den Fokus. Der Plan sieht vor, dass die EU bereit sein muss, sowohl ihre Bürger:innen als auch die entscheidenden gesellschaftlichen Funktionen zu schützen, die für Demokratie und das tägliche Leben essenziell sind. Dazu gehören Mindestanforderungen für Schulen, Krankenhäuser, Personenbeförderung und Telekommunikation. Mit 30 Maßnahmen beabsichtigt die Kommission, die Mitgliedstaaten besser auf Krisen vorzubereiten.
Notfallrationen für 72 Stunden anlegen
Ein zentrales Element des Aktionsplans ist die Empfehlung an Bürger:innen, Notfallrationen anzulegen, die mindestens 72 Stunden ausreichen sollen. Hadja Lahbib, die EU-Kommissarin unter anderem zuständig für Krisenmanagement, sagte auf der Pressekonferenz, sie habe alle Zutaten zu Hause, um jederzeit Pasta mit Tomatensauce, Kapern und Oliven zu kochen. In einem Clip zeigte sie zudem eine Notfalltasche mit Streichhölzern, Ausweispapieren, Medikamenten, Taschenlampe, einem Messer, Bargeld, Vitaminriegeln oder Dosenessen. Es brauche solche Dinge, "um 72 Stunden zu überleben", betonte die Belgierin.
Zudem wird ein Krisenstab eingerichtet, um bestehende Strukturen zu verbessern. Auch die Einführung eines jährlichen "EU-Tags der Bereitschaft" wird vorgeschlagen. Katastrophenschutzübungen mit zivilen und militärischen Organisationen gehören ebenfalls zu den Plänen der EU-Kommission. Sie betonte zugleich die Bedeutung der Zusammenarbeit mit strategischen Partnern wie der NATO in Bereichen wie militärische Mobilität, Klima und Sicherheit sowie neue Technologien.
EU-Kommisson drückt aufs Tempo
Der Zeitrahmen für die Umsetzung der Maßnahmen ist ambitioniert: Die meisten sollen noch in diesem Jahr realisiert werden, während andere Projekte wie eine europäische Krisenmanagement-Plattform bis 2027 abgeschlossen sein sollen.
Grundlage der Strategie ist ein Bericht des ehemaligen finnischen Präsidenten Sauli Niinistö. Er hatte im vergangenen Jahr betont, dass die EU ihre zivile und militärische Bereitschaft angesichts wachsender Bedrohungen deutlich verbessern müsse.
- Verwendete Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- "Rheinische Post": "EU will Bürger besser auf Kriegsfall vorbereiten – und gibt Tipps"
- t-online: "EU rät Bürgern: Notrationen für drei Tage anlegen"