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US-Präsident sorgt für Empörung

Scholz: "Anschlag auf Handelsordnung" - So reagiert die Welt auf Trumps Zoll-Hammer

  • Aktualisiert: 03.04.2025
  • 11:06 Uhr
  • Franziska Hursach

US-Präsident Donald Trump setzt mit neuen Zöllen auf Konfrontation. Die internationalen Reaktionen reichen von scharfer Kritik bis hin zu Gegenmaßnahmen. Auch der geschäftsführende Bundeskanzler Scholz sieht die Zölle als schweren Fehler.

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Inhalt

Das von US-Präsident Donald Trump verkündete Zollpaket sorgt international für Empörung. Auch Deutschland und die EU-Mitgliedsstaaten sind betroffen und reagieren mit scharfer Kritik sowie Gegenmaßnahmen.

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Scholz: "Anschlag auf Handelsordnung"

Der geschäftsführende Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle als schweren ökonomischen Fehler bezeichnet. "Das ist ein Anschlag auf eine Handelsordnung, die Wohlstand überall auf dem Globus geschaffen hat", sagte Scholz nach einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. in Berlin. "Die gesamte Weltwirtschaft wird unter diesen undurchdachten Entscheidungen leiden, Unternehmen wie Verbraucherinnen und Verbraucher überall in der Welt, auch in den USA."

Die US-Regierung beschreite einen Weg, an dessen Ende es nur Verlierer geben werde, sagte Scholz. Er betonte, dass die EU für Gespräche mit der amerikanischen Regierung zur Verfügung stehe, um einen Handelskrieg abzuwenden. "Wir setzen auf Kooperationen, nicht auf Konfrontationen." Man werde aber europäische Interessen verteidigen. "Europa wird geschlossen, stark und angemessen auf die Entscheidung der USA reagieren."

Der amtierende Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sieht Parallelen zwischen dem Angriff Russlands auf die Ukraine und dem neuen US-Zollpaket. Die Entscheidung vom Vorabend sei durchaus vergleichbar "mit dem Beginn der Amtszeit, nämlich mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine und der drohenden Gasmangellage", sagte der Grünen-Politiker in Berlin. Es handele sich um die disruptivsten Zollerhöhungen seit 90 Jahren.

Auch Daniel Caspary, Vorsitzender der deutschen Unionsabgeordneten im Europaparlament, bezeichnete die Zölle als "Vollkatastrophe" und "handelspolitische Geisterfahrt". Manfred Weber (CSU), Präsident der Europäischen Volkspartei, erklärte, Europa sei bereit, "seine Interessen zu verteidigen", und rief zu "fairen, entschlossenen Gesprächen" auf.

Die Grünen fordern weitere Maßnahmen, darunter eine EU-Digitalsteuer und Beschränkungen für US-Banken. Die EU-Kommission plant bereits Gegenzölle, die am 14. April in Kraft treten sollen. Details stehen noch aus.

Donald Trump

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"Handelspolitische Geisterfahrt"

Wirtschaftsvertreter:innen fordern als Reaktion auf die Zollankündigungen Entlastungen für die heimische Wirtschaft. "Dieser Zollhammer führt die Welt zurück in die handelspolitische Steinzeit. Deutschland und Europa müssen jetzt schnellstmöglich eine Antwort darauf finden", verlangte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke.

Union und SPD müssten bei ihren Koalitionsverhandlungen alles für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands tun, forderte Schwannecke. "Höhere Steuern und Abgaben sind das letzte, was die deutsche Wirtschaft in dieser Lage gebrauchen kann."

Der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, sagte, die USA seien zwar Deutschlands wichtigster Handelspartner. "Die Lieferungen in die Staaten liegen allerdings bei weniger als zehn Prozent unserer Gesamtexporte. Wir sind auch auf anderen Weltmärkten gut vertreten." Das sei jetzt auszubauen, etwa mit dem Mercosur-Abkommen mit südamerikanischen Staaten und einem Handelsabkommen mit Indien.

"Brüssel, aber auch die künftige Bundesregierung in Berlin müssen jetzt ihre wirtschaftspolitischen Hausaufgaben machen: Energiekosten senken, Bürokratie abbauen und Abgaben senken."

Der Außenhandelsverband BGA warnt vor erheblichen Folgen für den Welthandel durch Trumps Zolloffensive und fordert eine geschlossene Reaktion der EU. "Das ist ein Frontalangriff auf den Welthandel. Mit drastischen Zollanhebungen für mehr als 100 Handelspartner stürzt der amerikanische Präsident mit einem amerikanischen Brexit die Welt in einen offenen Handelskrieg", sagte Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel (BGA). "Ich gehe davon aus, dass der Konflikt unser Wirtschaftswachstum erheblich beeinträchtigen wird." Die EU müsse mit deutlichen Gegenmaßnahmen reagieren.

Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft

Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), warnt vor negativen Folgen für deutsche Unternehmen: "Die Zölle werden wir in Preissteigerungen umsetzen müssen, und das bedeutet in vielen Fällen einen Umsatzrückgang." Besonders für kleinere Unternehmen könnte dies existenzbedrohend sein.

Die Automobilindustrie ist ebenfalls alarmiert. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), spricht von einem "fundamentalen handelspolitischen Einschnitt" und einer Abkehr der USA von der "regelbasierten globalen Handelsordnung".

Auch die Chemiebranche zeigt sich besorgt. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup ruft zur Besonnenheit auf: "Unser Land darf nicht zum Spielball eines ausufernden Handelskrieges werden." Er plädiert für einen engen Dialog mit Washington, um eine "beidseitig faire Lösung" zu erreichen.

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Reaktionen aus Europa

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisiert die US-Zölle als "falsch" und warnt vor einem Handelskrieg, der den Westen schwächen würde. Die britische Regierung bleibt bei ihrer zurückhaltenden Strategie. Es werde eindeutig wirtschaftliche Auswirkungen geben, "sowohl hier als auch weltweit", sagte Premierminister Keir Starmer. "Aber, um es glasklar zu sagen: Wir sind vorbereitet." Eine der "größten Stärken dieser Nation ist unsere Fähigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren". Einen Handelskrieg könne niemand gewinnen. Die USA haben für Großbritannien Zölle von zehn Prozent festgelegt.

Frankreich erwartet wirtschaftliche Verluste: Der Branchenverband FEVS prognostiziert einen Rückgang der Wein- und Spirituosenexporte um mindestens 20 Prozent. Der irische Vize-Regierungschef Simon Harris mahnt zu "Reife". Es sei "absolut klar", dass Trump bei der Verkündung der Strafzölle, die insbesondere auch die EU-Länder treffen, "diesen großen Moment wollte. Er hat ihn bekommen: Große Schaubilder im Rosengarten, das ist erledigt." Was jetzt gebracht werde, sei "die Reife, sich tatsächlich an einen Tisch zu setzen".

Die Schweiz ist im Vergleich mit ihren Handelspartnern besonders stark von geplanten neuen US-Zöllen betroffen: 31 Prozent kündigte US-Präsident Donald Trump an. Anders als die EU-Kommission reagierte die Regierung kühl: Man nehme die Zoll-Entscheidung zur Kenntnis, schrieb Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter auf der Plattform X.

Australiens Premierminister Anthony Albanese kündigt an, auf Vergeltungszölle zu verzichten, bezeichnet die Maßnahmen aber als "nicht die Tat eines Freundes".

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Kanada plant Gegenmaßnahmen

Kanadas Ministerpräsident Mark Carney hingegen plant Gegenmaßnahmen, die am Donnerstag verkündet werden sollen. In Südkorea ordnete Präsident Han Duck-soo Sofortmaßnahmen zur Unterstützung betroffener Unternehmen an. "Da der globale Handelskrieg zur Realität geworden ist, muss die Regierung all ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Handelskrise zu überwinden", sagte er.

Taiwan hat die neu verkündeten Zölle der USA unter Präsident Donald Trump als "höchst unangemessen" bezeichnet. Das Regierungskabinett halte die Einführung von Aufschlägen in Höhe von 32 Prozent gegen Waren aus der ostasiatischen Inselrepublik für "bedauerlich" und wolle mit Washington hart verhandeln, teilte der Exekutiv-Yuan mit.

  • Verwendete Quelle:
  • Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa
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:newstime vom 3. April 2025 | 19:45
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